{"id":803,"date":"2025-11-08T11:19:19","date_gmt":"2025-11-08T10:19:19","guid":{"rendered":"https:\/\/neuer.sand-im-getriebe.mobi\/?p=803"},"modified":"2025-12-15T08:24:47","modified_gmt":"2025-12-15T07:24:47","slug":"warum-blockieren-wir-die-iaa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sand-im-getriebe.mobi\/en\/warum-blockieren-wir-die-iaa\/","title":{"rendered":"Warum blockieren wir die IAA?"},"content":{"rendered":"\n<p><a href=\"https:\/\/arranca.org\/ausgaben\/brave-new-climate\/von-der-grube-auf-die-stra%C3%9Fe\">Dieser<\/a> schon etwas \u00e4ltere Artikel von\u00a0Janna und Tadzio\u00a0hat immer noch Aktualit\u00e4t, wenn es darum geht zu erkl\u00e4ren, warum Sand im Getriebe sich dem Autokapitalismus auf der B\u00fchne der eigenen Selbstinszenierung entgegenstellen sollte. Erg\u00e4nzend dazu, aktualisierte Gr\u00fcnde f\u00fcr eine erneute Aktion im Rahmen der Automesse in M\u00fcnchen im September 2023:<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>1. Unver\u00e4nderte bzw. versch\u00e4rfte Problematik des motorisierten Individualverkehrs<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>a.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Der Verkehrssektor ist die gr\u00f6\u00dfte klimapolitische Baustelle in Deutschland: Die anhaltend hohen Emissionen sind in den letzten zwei Jahren sogar wieder angestiegen.[1] Mittelfristig scheint das Verbrenner-Aus zwar zumindest f\u00fcr Deutschland und Europa beschlossene Sache, aber was hilft das, wenn die Autoindustrie gleichzeitig plant, weltweit noch knapp 800 Millionen Autos mit Verbrennungsmotor zu verkaufen. Und damit 300-400 Million Verbrenner zu viel, um irgendwie kompatibel mit 1,5\u00b0C und dem verbleibenden Emissionsbudget zu sein[2].<\/p>\n\n\n\n<p>b.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Fortf\u00fchrung neokolonialer Ausbeutungsverh\u00e4ltnisse: Eine Antriebswende macht keine Verkehrs- und Mobilit\u00e4tswende<strong>.&nbsp;<\/strong>Der einseitige Fokus auf die Antriebsart und CO2-Emissionen ignoriert die vielen anderen Probleme, welche der motorisierte Individualverkehr hierzulande mit sich bringt (Unf\u00e4lle, Fl\u00e4chenversiegelung, lebensfeindliche St\u00e4dte, Ungleichheit etc.) Vor allem aber bedeutet es den verst\u00e4rken Zugriff auf menschliche Arbeitskraft und nat\u00fcrliche Ressourcen im globalen S\u00fcden. Mit unserem Protest wollen wir explizit auf die neokoloniale Dimension des Autokapitalismus aufmerksam machen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>c.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; R\u00fcckgrat des deutschen Kapitalismus: Umsatzzahlen von 411 Milliarden Euro, Besch\u00e4ftigtenzahlen von knapp 786.000 und \u00fcber 11.000.000 produzierte PKWs alleine in der deutschen Automobilindustrie in 2021 zeigen, dass die Autoindustrie nicht nur die Schl\u00fcsselindustrie sondern auch der bedeutendste Industriezweig in Deutschland ist. Doch das endlose wirtschaftliche Wachstum l\u00e4sst sich nicht ohne Umweltzerst\u00f6rung und Ausbeutung realisieren. Um in diese kapitalistische Wirtschaftsweise zu intervenieren sehen wir jedoch gerade bei der Autoindustrie ein reales M\u00f6glichkeitsfenster: Die Antriebswende bringt die deutschen Hersteller zum wanken \u2013 BMW und Porsche versuchen sich in E-Fuels zu retten, Daimler setzt auf Luxusw\u00e4gen und VW expandiert ins Ausland. Langsam br\u00f6ckelt die Fasade unter dem politischen und globalen Druck. Das gibt uns Hebel f\u00fcr die Forderung nach einer sozial-\u00f6kologischen Transformation der Autoindustrie und somit einer elementaren Infragestellung des Kapitalismus.<\/p>\n\n\n\n<p>d.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; PS f\u00fcr das Patriarchat: Das System Auto ist sexistisch und patriarchalisch. Es ist sexistisch, da die Autoindustrie Frauen objektiviert und Rollenbilder zementiert um Verkaufszahlen zu erh\u00f6hen und Profite zu steigern. Es ist patriarchal da die Verkehrsplanung, die Produktion, sowie der St\u00e4dtebau von und f\u00fcr cis M\u00e4nner gemacht wird.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>2. Die IAA weiterhin DER Ort, um sich dem Autokapitalismus entgegen zu stellen<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Auch wenn die Messe mit Blick auf Besucher:innen- und Aussteller:innen-Zahlen von ihrer urspr\u00fcnglichen Bedeutung eingeb\u00fc\u00dft hat, bildet sie nach wie vor den Kristallisationspunkt f\u00fcr aktivistischen und ungehorsamen Protest gegen das \u201eSystem Auto\u201c, dessen \u201eOrte der Zerst\u00f6rung\u201c (als \u00c4quivalent zur Kohlegrube) millionenfach auf deutschen Stra\u00dfen unterwegs und damit meist nur individualisierend und nicht systematisch zu fassen sind und sich in er der Autoindsutrie manifestieren. Autobahn- und Stra\u00dfenbauproteste, so wichtig und richtig sie sind, haben insbesondere die Politik als Gegnerin ausgemacht. Letztlich erscheint uns die IAA auch deshalb als geeigneter Ort, da die Messe an sich schon viel \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit erf\u00e4hrt und generiert, welche genutzt werden kann, um die eigenen Narrative zu platzieren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>3.\u00a0Eine Kampagne #blockIAA2.0 ist anschlussf\u00e4hig an radikale Diskurse<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>a.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Obwohl der \u201ehei\u00dfe Herbst\u201c nicht mal lau-warm war \u2013 das Thema Ungleichheit ist wegen Ukrainekrieg, Energiekrise und Inflation so aktuell wie seit Langem nicht mehr. Auch unser autozentriertes Verkehrssystem und der dahinterliegende Autokapitalismus ist durchzogen von Ungleichheits- und Ausbeutungsverh\u00e4ltnissen, hier in Deutschland, als auch andernorts. Warum, haben wir in unserem\u00a0<a href=\"https:\/\/www.sand-im-getriebe.mobi\/autoindustrie-umverteilen\/\" data-type=\"post\" data-id=\"799\">Redebeitrag f\u00fcr die Umverteilen-Demo<\/a>\u00a0am 12.11.2022 in Berlin dargestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>b.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vergesellschaftung im Mobilit\u00e4tssektor: Daimlers zuk\u00fcnftige Gesch\u00e4ftsstrategie setzt Voll und Ganz auf Oberklassensegment, Luxus und Protz[3]. Gleichzeitig sollen bei der Bussparte von DaimlerTrucks massenhaft Stellen abgebaut werden, die f\u00fcr eine sozial-\u00f6kologische Verkehrswende extrem wichtig w\u00e4ren[4]. Die zeigt, dass nicht von Profitinteressen und Zahlungsbereitschaften eines Marktes abh\u00e4ngen darf, was zuk\u00fcnftig produziert wird. Im Gegenteil, es bedarf einer demokratisch organisierten Mobilit\u00e4tswirtschaft, welche \u00fcber die gegenw\u00e4rtige betriebliche Mitbestimmung hinaus geht, in der die Mobilit\u00e4tsbed\u00fcrfnisse aller miteinflie\u00dfen und die vereinbar ist mit Klima und \u00d6kosystemen. Nicht Volkswagen, sondern Vergesellschaftung wagen \u2013 auch f\u00fcr Automobilkonzerne!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>c.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/strong>Zwar sind die technologischen Weichen in den meisten Konzernzentralen mittlerweile auf Elektroauto (BEV) gestellt, dennoch scheint das Thema eFuels dank Regierungsmitkoalition\u00e4rin FDP noch nicht ganz abger\u00e4umt. Der daf\u00fcr ben\u00f6tigte Wasserstoff w\u00fcrde zuk\u00fcnftig vor allem aus L\u00e4ndern des Globalen S\u00fcdens importiert werden, mit hohem Potenzial f\u00fcr neue Formen des Energiekolonialismus. Hier als auch bei der Rohstoffthematik insgesamt sehen wir Verbindungen zu den K\u00e4mpfen von Ende Gel\u00e4nde, Debt4Climate und weiteren Akteur:innen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>4. Diversit\u00e4t der Strategien<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Mit Begeisterung nehmen auch wir zu Kenntnis, dass sich in der Klimagerechtigkeitsbewegung zunehmend ein \u201elabour turn\u201c vollzieht und es auch im Bereich Mobilit\u00e4t und Automobilindustrie Pl\u00e4ne f\u00fcr Organizing der Arbeiter:innenschaft gibt. Wir sind jedoch davon \u00fcberzeugt, dass es gleichzeitig auch Akteur:innen braucht, welche radikale Forderungen mittels aktivistischer und ungehorsamer Interventionen in den Diskurs einbringen.Die IAA bildet daf\u00fcr den idealen Kontext. Gleichzeitig pl\u00e4dieren wir daf\u00fcr, trotz unterschiedlicher Vorgehenswesen nicht auf strategische Absprachen und gemeinsame Narrative zu verzichten und freuen uns \u00fcber eine enge Zusammenarbeit mit anderen Akteur:innen der Mobilit\u00e4tswende- und Klimagerechtigkeitsbewegung.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>5. Bedeutung der IAA-Proteste f\u00fcr den lokalen Kontext<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Wiederholt wurde uns von Aktivisti aus dem M\u00fcnchner-Raum mitgeteilt, welche au\u00dfergew\u00f6hnliche Erfahrung die IAA-Proteste 2021 mit bundesweiter Mobilisierung (und dar\u00fcber hinaus) f\u00fcr die lokale Gruppen und Strukturen war: \u201eEin links-radikales Protest- und Klimacamp auf der Theresienwiese!!!\u201cDa das n\u00e4chste Camp zur IAA sicher stattfindet und bereits organisiert wird, hoffen wir, dass Sand im Getriebe mit einer stabilen \u00fcberregionalen Mobi wieder Teil des Anti-IAA-Protests und Camps sein kann.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>6. Oops, we blocked it again!<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Trotz Corona und bayerischer Cops waren die Erwartungen (vor allem unsere eigenen) an #blockIAA2021 ziemlich hoch und nicht alle haben sich am Ende erf\u00fcllt. Aufgrund der Lage bei SIG sind wir momentan leider weit davon entfernt, die Aktion vergleichsweise gro\u00df zu denken. Und m\u00f6glichweise muss sie das auch gar nicht, um (\u00e4hnlich) erfolgreich zu sein. Es w\u00e4re aus unserer Sicht allerdings extrem schade, wenn Sand im Getriebe als uneingeladene aber unverzichtbare G\u00e4stin nicht an der Autoparty teilnehmen k\u00f6nnte. Deshalb brauche wir euch um die Autoparty wieder zu blockieren! Damit es diesmal wirklich die letzte IAA wird.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser schon etwas \u00e4ltere Artikel von\u00a0Janna und Tadzio\u00a0hat immer noch Aktualit\u00e4t, wenn es darum geht zu erkl\u00e4ren, warum Sand im Getriebe sich dem Autokapitalismus auf der B\u00fchne der eigenen Selbstinszenierung entgegenstellen sollte. Erg\u00e4nzend dazu, aktualisierte Gr\u00fcnde f\u00fcr eine erneute Aktion im Rahmen der Automesse in M\u00fcnchen im September 2023: 1. 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